Schon vor der Einführung wurde von Seiten der Studierenden massive Kritik an der Umstellung der Diplom- und Magisterstudiengänge auf Bachelor und Master geäußert. Ernst genommen wurden diese Bedenken selten. Derzeit ist in Rheinland-Pfalz das erste Semester für die Studierenden der neuen Studiengänge an den meisten Universitäten angebrochen und gravierende Folgen werden Stück für Stück sichtbar!


Besonders Studierende mit Behinderungen und chronisch Kranke trifft es hart. Durch die strikten Zeit- und Scheinvorgaben wird ihnen die letzte Flexibilität geraubt, welche sie zur Bewältigung ihres Alltags benötigen. Sei es die Teilnahme an wichtigen Therapien, der Besuch bei Ärzten oder kürzere Krankenhausaufenthalte. Die neuen Abschlüsse machen dies schier unmöglich. Die dadurch fehlenden Scheine werden zu einem unüberwindbaren Hindernis, da somit weitere Veranstaltungen nicht besucht werden können.

Linksjugend [’solid] hat bereits vor der Umstellung der Studiengänge auf die drastischen Folgen hingewiesen. Die strikten Zeitvorgaben erinnern eher an einen Stundenplan für Schulkinder als an eigenverantwortliches Lernen.


Linksjugend sieht hier dringend Handlungsbedarf und steht für eine schnelle Korrektur der Umstellung ein! So ist es aus unserer Sicht unabdingbar, dass in weit stärkerem Maße als bisher sog. Nachteilsausgleiche zu gewähren und u.a. für medizinische Behandlungen Freiräume zu schaffen. Die fortschreitende Ökonomisierung der Universitäten und des Bildungssektors erstickt nicht nur die Kreativität im Keim; sie steht auch in klarem Gegensatz zu der eigentlichen Vorstellung vom Lehren und Lernen an deutschen Universitäten! Darüber hinaus dürfen gesellschaftliche Gruppen nicht unter der Umstellung leiden, welche bereits bei der Bewältigung ihres Alltags hohe Anstrengungen aufbringen müssen und mit vielseitiger Diskriminierung konfrontiert sind.


Die zu Beginn des Jahres durch den Bundesrat verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention spricht hier eine deutliche Sprache. Menschen mit Behinderungen und Chronischen Krankheiten dürfen nicht länger in Sondereinrichtungen gehalten werden, sondern haben einen festen Platz in Mitten der Gesellschaft.

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