Bildung ist die Grundvoraussetzung für Freiheit, denn nur wer sich auskennt kann auch hinterfragen, kann den Wunschberuf erlernen, kann auswählen. Dumm ist nur, dass unser Bildungssystem sehr Klassenbewusst ist. Arme bekommen weniger Bildung als Reiche, sagt selbst die OECD, das nun wirklich keine linke Organisation. In Rheinland-Pfalz wird dieser Missstand auch noch durch das Fehlen einer echten Lernmittelfreiheit verschärft. Zwar blufft die SPD mal wieder mit ihrer neuen Schulbuchausleihe, diese aber kann eine echte Lernmittelfreiheit nicht ersetzen. Zwar sollen sozial schwache Familien die Bücher kostenlos erhalten, aber sie werden im Vergleich zu ihren Mitschülern nicht gleichwertig behandelt. Ich gebe zu es ist spekulativ, aber mindestens genauso logisch. Ein schleswig-holsteinisches Schulbuch an einer Hauptschule hält je nach Fachbereich durchschnittlich 5 bis 7 Jahre. Ein rheinland-pfälzisches soll innerhalb von 3 durch Leihgebühren abbezahlt sein. Nun drängt sich der Verdacht auf, wie sich die kostenlose Leihe nach fünf Jahren nicht nur finanzieren sondern rechnen könnte. Klar ist auch, dass den zahlenden nicht irgendwelche Bücher geben kann, wie aber sieht es mit den kostenlos verliehenen aus? Werden wir in ein paar Jahren also jedem Schüler anhand seiner Bücher seinen sozialen Status ansehen können? Und wie viel plus kann mit der Leihgebühr gemacht werden?

Echte Lernmittelfreiheit wär‘, wenn alle Schulen ein Budget für ihre Bücher erhält, diese dann per Konferenzbeschluss, also auch unter Einbindung der Schüler, kauft, und dann einfach selbst an die Schüler austeilt, und am Jahresende wieder einsammelt. Das funktioniert in vielen Bundesländern, ist einfach und bedarf keiner großen Bürokratie mit Anträgen und Hin-und Herschiebereien von Geld und Zuständigkeiten.

Und wenn wir dann alle gut ausgestattet in der Schule sitzen ist alles gut?

Starre Lehrpläne, mehrgliedriges Schulsystem, Noten-, Leistungs- und Konkurrenzdruck … – das alles führt zu sozialer Selektion und weit weg von dem Ideal einer freien Bildung. Es müssen Informationen aufgenommen, abgespeichert und in regelmäßigen Abständen in Tests reproduziert werden. Dabei stellen Noten das effektivste Werkzeug dar, um Gehorsam zu schaffen. Es müssen gute Noten geschrieben werden, sonst droht ein schlechter Abschluss, und wer gute Zensuren haben will, muss sich anpassen.
Diese psychische Belastung, welche der Notendruck erzeugt, verringert die Lebensqualität von Schülerinnen und Schülern enorm.

Aufgaben, wie die objektive Messung einer Leistung oder Herstellung von Vergleichbarkeit, kann die Note hingegen nicht im Ansatz erfüllen. Menschen sind Individuen mit unterschiedlichen Begabungen und Interessen. Darum lernen wir manches schneller, manches langsamer, manches gar nicht. Die Benotung des „Lernerfolges“ missachtet also jegliche Individualität und erfolgt zudem noch – wie viele Studien beweisen – stark subjektiv, ja sozial selektiv. Mit dem Erhalt der Note werden wir aufgeteilt in Gewinner_innen und Verlierer_innen. Wer einmal als schlechte_r Schüler_in gebrandmarkt ist, kommt selten davon los.

Echte Freiheit der Bildung wär‘, wenn Schülerinnen und Schüler mitbestimmen, was wann in welcher Art und Weise gelernt wird. Allerdings fasst die Forderung nach freier Bildung weiterführende Prinzipien in sich, die alle vor Diskriminierung schützen. Freie Bildung bedeutet auch, dass Schülerinnen und Schüler sich entwickeln können, ohne ein Korsett aus Hierarchien und Zwängen, dafür in einem gleichberechtigten Miteinander.
Die Allgemeinheit der Bildung umfasst mehrere Dinge. Priorität genießt die Forderung nach einem gleichen Recht auf Bildung und einem freien Bildungszugang, unabhängig des Geschlechts, der Herkunft bzw. jeglicher Merkmale, durch welche wir in diesem Gesellschaftssystem kategorisiert werden. Zudem ist mit allgemeiner auch eine allseitige Bildung gemeint, bei der kein Lebens- oder Themenbereich ausgeschlossen bleibt.

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