Zur Forderung von Ulrich Walwei, Vizedirekt des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Bezieher*innen von Hartz IV das Marathonlaufen nahezulegen, um ihnen Arbeitsmotivation zu verschaffen, erklärt die Linksjugend solid Rheinland-Pfalz:

„Diese Forderung ist Spott gegenüber allen Erwerbslosen. Sie ist geprägt von einem Bild, welches Menschen ohne Arbeit als faul, „Schmarotzer“ und arbeitsunwillig ansieht, und nährt somit sozialdarwinistische Ressentiments. Dass Arbeitslose in unserer Gesellschaft als „wertlos“ gelten und an der Armutsgrenze leben müssen, verstößt offenbar noch nicht genug gegen die Menschenwürde.
Dass das Credo „Wer Arbeit sucht, findet welche“ schlichtweg nicht stimmt, zeigen jedes Jahr aufs Neue zehnrausende Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, sowie hunderttausende fehlende Arbeitsplätze, zumal solche, die ein existenzsicherndes Leben ohne Armut ermöglichen.

Dass auch SPD-Gesundheits“experte“ Edgar Franke Walweis Vorschlag unterstützt, verwundert uns nicht, war doch die SPD Protagonistin des „Fordern und Fördern“-Prinzips in der Arbeitsmarktpolitik. Statt sich selbst der politischen Verantwortung anzunehmen, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen, wird die Erzählung so gedreht, dass die Erwerbslosen selbst die Schuld für ihre Situation tragen. Wer sich nicht genügend anstrengt und jedes noch so sinnlose und erniedrigende Jobangebot annimmt, bekommt eben die Leistungen gekürzt. Mit einem nachhaltigen Konzept zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit hat dies ebenso wenig zu tun, wie die Herrschenden nicht verstehen, dass die Möglichkeiten des (Wieder-)einstiegs in das Berufsleben eben auch deshalb so schlecht sind, weil Erwerbslose vollkommen aus der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen sind. Die Frage, wer die Sportausrüstung überhaupt bezahlen soll, bleiben IAB und SPD schuldig.

Die Linksjugend RLP stellt sich diesem menschenverachtenden Denken entschieden entgegen. Wer Arbeit sucht, findet eben nicht so einfach welche. Und wieso sollen nicht ohnehin alle Menschen selbst bestimmen, wie sie ihre Freizeit gestalten – auch Erwerbslose? Wir stellen uns gegen den kapitalistischen Mainstream, der Menschen nur als Ware ansieht und deren möglichst effiziente Verwertung anstrebt. Vielleicht sollte Ulrich Walwei selbst zu allererst für einen Marathon trainieren. Offenbar hat er zu viel Zeit, wenn er solch unsinnige Forderungen aufstellen kann.“

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