Am 17.08. kam es zum zweiten Aufmarsch dieses Jahres durch Faschisten in Ingelheim, nachdem diese schon im April versuchten („zufällig“ am Geburtstag von Adolf Hitler) durch Ingelheim zu marschieren. Dieses Mal nahmen die Faschisten den Todestag von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß als Anlass, ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Dieser hatte sich am 17.8.1987 selbst umgebracht. Die Faschisten hingegen versuchen den Tod Heß´ als riesige Verschwörung zu verkaufen.

Insgesamt folgten 38 Nazis dem Aufruf von Die Rechte Südwest, der Kameradschaft Rheinhessen, dem Nationalen Widerstand Zweibrücken und der Initiative Südwest. Damit erschienen etwa doppelt so viele Faschisten verglichen mit dem letzten Aufmarsch im April (14 Neonazis). Dies wird wohl damit zusammenhängen, dass die sonst üblichen Naziaufmärsche in Berlin und Dortmund dieses Jahr ausfielen und es deshalb einige Faschisten aus anderen Regionen nach Ingelheim zog. Warum der Gedenkmarsch dieses Jahr in Ingelheim statt in Dortmund oder Berlin stattfand ist noch unklar. Es könnte sich um eine neue Strategie handeln oder ein Versuch in Rheinhessen die Strukturen weiter aufzubauen.

Als die Faschisten um 14 Uhr schließlich erschienen, wurden sie lautstark mit Parolen und Pfiffen empfangen, sodass es ihnen kaum möglich war, die Stadt mit ihrer widerlichen Hetze zu beschallen. So war bei den Reden der Faschisten bloß das anfängliche „Hallo Kameraden“ zu hören. Während des Aufmarsches gelang es dem Gegenprotest, immer wieder relativ nah an die Nazis heranzukommen, ihren Aufmarsch zu stören und ihre Reden zu übertönen. Auch kam es zu einigen Blockadeversuchen, wovon einer dazu führte, dass der Aufmarsch seine Route wechseln musste. Während der Versuche, die Route der Nazis zu blockieren, kam es immer wieder zu überzogener Polizeigewalt. An dieser Stelle wollen wir uns daher mit allen Betroffenen solidarisieren, denn Naziaufmärsche gehören blockiert und Antifaschist*innen nicht kriminalisiert.

Wir waren mit etwa 25 linksjugend [’solid] Mitgliedern aus den umliegenden Orten anwesend (Mainz, Worms, Alzey und Bad Kreuznach). Schon auf dem Hinweg bekamen wir von vielen Passant*innen immer wieder Zuspruch für unseren Protest. 

Der Gegenprotest in Ingelheim selbst zählte trotz des schlechten Wetters etwa 1000 Menschen und war relativ breit aufgestellt. Zudem hingen in der ganzen Innenstadt Plakate an den Häusern oder in den Geschäften, auf denen die Ingelheimer*innen ihre antifaschistische Gesinnung kundtaten. Während des ganzen Protestes konnten wir reichlich Flyer, Sticker und Buttons verteilen und kamen auch mit der einen oder anderen Person ins Gespräch.

Der Naziaufmarsch endet um etwa 18 Uhr  am Bahnhof unter Parolen und Pfiffen der Gegendemonstrant*innen. Gerade die Breite des Protestes sahen wir sehr positiv. Ob Gewerkschaftler*innen, Schüler*innen, Azubis oder Anwohner*innen: zahlreiche Bevölkerungsgruppen waren vertreten und insbesondere Ingelheimer*innen beteiligten sich an den Störaktionen. Sonst sehen wir leider, dass Gegenproteste von Naziaufmärschen sehr „szenig“  geprägt sind und dass kein Versuch unternommen wird, Anwohner*innen zu mobilisieren. Aber gerade die Vergangenheit hat gezeigt, dass Naziaufmärsche vor allem dann blockiert werden konnten, wenn über linke Kreise hinaus mobilisiert werden konnte. Damit meinen wir nicht, dass es notwendig ist mit allen bürgerlichen Parteien wie SPD, CDU, FDP und Grünen zu arbeiten, sondern klare öffentliche Werbung zu machen, die Menschen außerhalb linker Kreise erreicht. Das kann aus Flyer Aktionen bei den umliegenden Wohnungen oder vor naheliegenden Betrieben oder ähnlichem bestehen. Unseren Aufruf haben wir einige Tage zu vor in der Ingelheimer Innenstadt, an Schulen und vor Boehringer verklebt.

Für uns als linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz ist insgesamt ein positives Fazit vom Tag zu ziehen. Zwar haben die Nazis mit 38 Demonstranten ihr vorheriges Mobilisierungspotenzial übertreffen können, doch wurden  sie dermaßen bei ihrem Aufmarsch gestört und übertönt, dass sie diesen kaum als Erfolg verkaufen können. Zudem waren wir als linksjugend sehr zahlreich vor Ort und wurden im Gegenprotest sehr gut wahrgenommen. Wir     hoffen, dass in Zukunft der Protest noch effektiver organisiert werden kann, so dass die Faschisten erst gar nicht laufen können.

Ob die Faschisten sich  nochmal nach Ingelheim trauen oder es vielleicht sogar in Mainz versuchen aufzutreten, bleibt abzuwarten. Aber egal wo sie demnächst auftauchen, es gilt: Kein Fußbreit den Faschisten! 

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