Dieser Text wurde auf der Sommer-Landesmitgliederversammlung vom 14.-16. Juni 2019 in Oberbettingen beschlossen

Seit etwa Mitte Dezember 2018 existiert auch in Deutschland die Schüler*innenbewegung „Fridays for Future“. In vielen Orten finden mehr oder weniger regelmäßig Demonstrationen statt, welche von den Schüler*innen Vorort organisiert werden. Aktuell existieren in über 200 deutschen Städten Ortsgruppen. Es ist daher an der Zeit zu überprüfen: Wie ist die Bewegung entstanden und wie hat diese sich über die letzten vier Monate entwickelt? Welche Erfolge konnte sie erzielen und wie wird sie sich weiterentwickeln?

Zur Entstehung von „Fridays for Future“

Wie so oft bei Massenprotesten ist es schwer bis unmöglich den Start der Schulstreiks auf ein genaues Datum festzulegen. Grob lassen sich die ersten Streiks in Deutschland aber Anfang Januar 2019 verorten. Auffällig sind vier Sachen hinsichtlich der Entstehung der „Fridays for Future“-Bewegung: 1. „Fridays for Future“ ist seit längerer Zeit wieder ein Massenprotest, welcher flächendeckend an vielen Orten stattfindet und sich nicht nur auf zentrale Großdemonstrationen beschränkt. Für viele Jugendliche war es das erste Mal, dass sie an einer Demo teilnahmen und sich in einer politischen Bewegung engagierten. Teilweise waren hunderttausende junge Menschen auf der Straße. Viele wurden hierdurch erst politisiert. 2. In zahlreichen Städten waren von Anfang an NGOs (Non Goverment Organisations) wie die BUND Jugend oder Greenpeace in den Strukturen aktiv und organisierten die ersten Streiks. Durch ihre meist größere Erfahrung wurden sie oft elementarer Bestandteil der Ortsgruppe mit großem Einfluss. 3. Neben den NGOs prägten vor allem Einzelpersonen den Start und die Initiative für die Bewegung. Mobilisiert wurde überwiegend über Messengergruppen wie WhatsApp, welche rasch anwuchsen. 4. Im Gegensatz zu den meisten sozialen Bewegungen lässt sich die „Fridays for Future“-Bewegung nicht auf einen konkreten Auslöser zurückführen. Schaut man sich beispielsweise die Gelbwestenproteste in Frankreich an, so war der Auslöser ganz klar die Einführung einer neuen Benzinsteuer. Anstoß lieferte im Falle von FFF die Schwedin Greta Thunberg, welche mit ihren Schulstreiks im Sommer 2018 begann. Dies war noch eine ganze Weile vor den ersten Streiks in Deutschland. Diese vier wichtigen Faktoren prägten die Bewegung maßgeblich in ihrer anfänglichen Phase und müssen allesamt berücksichtigt werden. Denn dadurch, dass „Fridays for Future“ keinen konkreten Auslöser hatte, war die Bewegung zu Beginn der Aufgabe gestellt, ihr Anliegen, „für mehr Klimaschutz zu streiken“, in praktische Forderungen umzuformulieren und diese zu verbreiten. Dort, wo Ortsgruppentreffen stattfanden, stellten sich sehr schnell die unterschiedlichsten Motive und politischen Vorstellungen heraus, für die man sich einsetzen wollte. Uns fiel auf, dass sich vor allem Studierende und Gymnasiumsschüler*innen an den Treffen beteiligten, bei denen wir vertreten waren. Viele kleinbürgerliche Ideologien und Konzepte von Konsumkritik herrschten dabei in den meisten Gruppen vor. Da die Vorstellung über die Ziele und die Forderungen der Bewegung in vielen Orten stark auseinandergingen, war der einzige gemeinsame Nenner, für mehr Klimaschutz einzutreten. Der zweite und dritte Faktor spielen eine nicht unerhebliche Rolle, wenn es darum geht herauszufinden, warum die deutsche Linke sich so schwertat, auf breiter Ebene in den Protest der Schüler*innen zu intervenieren und die Bewegung antikapitalistisch zu beeinflussen. Fakt ist nämlich, dass dies selten der Fall war. Linke Positionierungen der Bewegung blieben regional isolierte Phänomene, wie z.B. „Fridays for Future“ im Rhein-Sieg-Kreis. Hier rief die OG zum 1. Mai auf mit der Parole „Wir sind die Arbeiter*innen von morgen“. Die oft dominierenden NGOs sorgten häufig dafür, dass nur wenig politisch diskutiert wurde. In Mainz gab es sogar den Vorschlag, die Bewegung so breit aufzustellen, dass auch FDP-Wähler*innen, welche sich gegen den Klimawandel einsetzen wollen, an ihr beteiligen können. Debatten und Forderungen nach der Enteignung und Verstaatlichung von Energiekonzernen wurden dabei eher unterbunden. In Hamburg fanden dazu nicht einmal Plena statt, auf denen die Schüler*innen über ihre Forderungen hätten diskutieren können. Andererseits muss natürlich die Schwäche der deutschen Linken berücksichtigt werden. Die linksjugend [‘solid] auf Bundesebene veröffentlichte beispielsweise nur einen Flyer auf ihrer Webseite, in welchem das Problem des Klimawandels zwar benannt und mit dem Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde, aber konkrete politische Forderungen zur Überwindung von beidem, vermissen ließ. Bei dem Organisieren vor Ort und der bundesweiten Struktur kam es leider zu einigen Fehlern. Es gab zwar Delegierte aus den Orten, welche in bundesweiten Gruppen aus ihren Städten berichteten, doch diese wurden nicht immer demokratisch gewählt oder waren einfach die ersten, welche sich vor Ort mit dem Thema befassten. Gerade in diesen Positionen fanden sich dann häufig Vertreter*innen von BUND und Greenpeace, welche sich durch ihre bisherigen Erfahrungen für diese Positionen profilierten. Dabei war auch nicht immer transparent, wer zu welcher Gruppe und Organisation gehörte. Auch bei Pressekontakten war nicht immer nachvollziehbar, wer als offizieller Vertreter von FFF anzusehen ist, zumal auch noch keine Forderungen bestanden und somit die unterschiedlichsten Äußerungen getätigt wurden. So wurde zwar auch immer wieder der Kapitalismus kritisiert und Konzerne angegriffen, aber es dominierten konsumkritische Reden, welche lediglich dazu aufriefen, dass wir alle weniger fliegen und unseren Fleischkonsum reduzieren sollten. Von einer Systemkritik waren diese Äußerungen oft weit entfernt. Diese Entwicklung stoppte auch nicht vor den Strukturen Vorort. So beschloss die OG Mainz etwa im Mai jeder Person das Rederecht zu verweigern, die sich nicht zur „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ bekennt.

Einbeziehung der Gewerkschaften und der organisierten Arbeiter*innenklasse

Eine weitere Besonderheit von FFF ist die Verwendung des Streiks. Dieser ist das traditionelle Kampfmittel der Arbeiter*innenbewegung. Doch durch den objektiven Bewusstseinsstand wurden die Gewerkschaften und die organisierte Arbeiter*innenklasse nicht in den Fokus der Mobilisierung miteinbezogen. Dazu trug auch eine generelle Einschätzung der Bewegung bei, dass der Klimawandel ein Problem sei, welches auf der Ignoranz der gesamten älteren Generation beruht. Die Kritik richtet sich also primär gegen alle Erwachsenen und nicht an die herrschende Klasse, welche die Umweltzerstörung zu verantworten hat. Dabei würde gerade mit den Gewerkschaften die Bewegung eine ganz andere Qualität bekommen. Was wäre, wenn beispielsweise nicht nur Schüler*innen am Freitag streiken würden, sondern auch die Kohlebaggerfahrer*innen von RWE? Mit der Einbeziehung der Gewerkschaften wäre der Druck um einen nicht unerheblichen Faktor erhöht worden. Denn es ist gerade der ökonomische Streik, welcher die herrschende Klasse in Bedrängnis bringt. Ein positives Beispiel war die GEW, die schon sehr früh ihre Mitglieder aufrief, die Bewegung zu unterstützen und ihre Schüler*innen nicht zu sanktionieren. Natürlich ist aber auch die Schwäche der gesamten deutschen Gewerkschaftsführung zu berücksichtigen. Seit Jahrzehnten ist die Führungsebene des DGBs fest in der Hand von bürokratischen Karrieristen, die jegliche Konfrontation scheuen. Daher wäre es nötig gewesen, die Basis der Gewerkschaften zu erreichen und mit den einfachen Gewerkschaftsmitgliedern ins Gespräch zu kommen. Dafür fehlte aber das nötige Bewusstsein innerhalb der Führung. Mittlerweile haben sich vor allem aus den Jugendgewerkschaften viele positiv auf die Bewegung bezogen. Die Mitglieder wurden dennoch, weder zum Streik auf-gerufen, noch fanden Betriebsversammlungen oder Pausenaktionen statt, in de-nen sich die Arbeiter*innen über die Auswirkungen des Klimawandels auf ihren spezifischen Arbeitsplatz hätten austauschen können. Wiederum positiv zu benennen ist, dass es mittlerweile auch Gruppen wie „Parents for Future“ und „Scientists for Future“ gibt, welche ebenfalls zu Klimaprotesten aufrufen und klarstellen, dass dieses Anliegen nicht allein der jüngeren Generation wichtig ist. Die Aufrufe beziehen daher auch stärker die breitere Bevölkerung mit ein.

Aufbau von demokratischen und transparenten Strukturen

Wie schon zu Anfang erläutert, gibt es große Defizite beim Aufbau demokratischer Strukturen. Vielerorts wurde der Aufbau von basisdemokratischen Strukturen aktiv verhindert oder Beschlüsse der Basis ignoriert oder revidiert. Dies geschah mit dem Vorwand, doch möglichst alle Menschen zu den Protesten zu bewegen und nicht abschreckend zu wirken. Die politische Schärfe und die Notwendigkeit der Kritik fielen so weg. Um die anfänglichen Streiks zu koordinieren, wurden vielerorts bald sogenannte Orgateams gegründet, welche aber aufgrund ihrer Unerfahrenheit schnell begangen, sich von der Basis abzuheben. So war die Arbeit des Orgateams beispielsweise in Mainz schnell schwer nachvollziehbar und die Basis wurde nur kurzfristig über Entscheidungen des Orgateams informiert. Dies war z.B. der Fall, als die örtliche Whatsapp-Gruppe lediglich am selben Tag darüber informiert wurde, dass sich das Orgateam mit Malu Dreyer zum Gespräch treffen würde. Generell wurde es nicht geschafft, eine große Beteiligung auf den Ortsgruppentreffen zu erzielen und die vielen hundert Schüler*innen, die sich an den Demos beteiligt haben, miteinzubinden. So war auch die Entstehung der bundesweiten Forderungen mehr als undurchsichtig und für kaum ein Basismitglied wirklich nachvollziehbar. Die Beteiligung nahm zudem tendenziell weiter ab. Für eine ausdauernde und kämpferische Bewegung ist es aber absolut notwendig, demokratische Strukturen aufzubauen und die Mitglieder in die Arbeit sowie die Entscheidungen miteinzubeziehen. Es braucht in allen Orten und an Schulen Treffen, bei denen diskutiert und geplant wird. Die Delegierten müssen demokratisch gewählt und jederzeit abwählbar sein, sowie über ihre Arbeit berichten. Forderungen müssen von der Basis an die Spitze getragen werden und nicht umgekehrt.

Forderungen und Erfolge

Die Forderungen, die „Fridays for Future“ schließlich aufstellte, waren mehr als ernüchternd. Dies lag aber wesentlich auch mit deren Entstehung zusammen. Ohne irgendeinen basisdemokratischen Beschluss oder Legitimation, wurden folgende Forderungen auf einer groß aufgezogenen Pressekonferenz vorgestellt: „Forderungen von Fridays for Future: • Nettonull 2035 erreichen • Kohleausstieg bis 2030 • 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035 Entscheidend für die Einhaltung des 1,5°C-Ziels ist, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich stark zu reduzieren. Deshalb fordern wir bis Ende 2019: • Das Ende der Subventionen für fossile Energieträger • 1/4 der Kohlekraft abschalten • Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen. Laut UBA sind das 180€ pro Tonne CO2“Da die Forderungen wenig Konkretheit enthalten und an politischer Schärfe vermissen lassen, bauten sie keinen Druck auf die herrschende Politik auf. Selbst Angela Merkel konnte sich positiv auf die Bewegung beziehen, ohne dass dies einen Widerspruch darstellte. Schnell bekam man Lob von allen Seiten. So wird es auch keine Zugeständnisse hin zu einem früheren Kohleausstieg geben. Relevant ist natürlich weiterhin, dass die Themen Klimawandel, Artensterben und Umweltzerstörung deutlich mehr in der Öffentlichkeit debattiert werden. Außerdem ist die Politisierung unter Jugendlichen gerade groß und eine Unzufriedenheit mit der Politik von CDU und SPD weit verbreitet.

Parteiunabhängigkeit

Von Anfang an verstand sich die Bewegung als parteiunabhängig. Dies wurde aber meist so interpretiert, dass Parteien und deren Jugendorganisationen gar nicht als diese erkennbar in der Bewegung teilnehmen sollten. In einigen Orten wurden Fahnen von Parteien und deren Jugendorganisationen, sowie das Verteilen von Flyern verboten. Gleichzeitig saßen verschiedene Vertreter*innen von Parteijugenden und NGOs in führenden Positionen ohne dies vorher konkret zu äußern. Wir haben uns als linksjugend RLP immer klar zu unserer Organisation bekannt und andere aufgefordert, dies ebenfalls transparent zu machen. Eine überparteiliche Bewegung sollte natürlich verschiedene Parteien und Organisationen in sich tragen können und über deren Forderungen und Positionen diskutieren. Am 24. Mai fand einer der bundesweiten Aktionstage statt, welcher unter dem Vorzeichen der Kommunal- und Europawahl stand. „Fridays for Future“ rief dazu auf, diese Wahlen zur „Klimawahl“ zu machen. Da die Forderungen der Bewegung immer noch zu unkonkret waren, konnten vor allem die Grünen von dieser Stimmung profitieren. Die Grünen selbst behaupteten, dass diese Wahl ein „Sunday for Future“ war und vereinnahmten so die Bewegung für sich.

Aussichten

Seit etwa Mitte Dezember 2018 existiert auch in Deutschland die Schüler*innenbewegung „Fridays for Future“. In vielen Orten finden mehr oder weniger regelmäßig Demonstrationen statt, welche von den Schüler*innen vor Ort organisiert werden. Aktuell existieren in über 200 deutschen Städten Ortsgruppen. Es ist daher an der Zeit, zu überprüfen: Wie ist die Bewegung entstanden und wie hat diese sich über die letzten vier Monate entwickelt? Welche Erfolge konnte sie erzielen und wie wird sie sich weiterentwickeln?

Zur Entstehung von „Fridays for Future“

Wie so oft bei Massenprotesten ist es schwer bis unmöglich den Start der Schulstreiks auf ein genaues Datum festzulegen. Grob lassen sich die ersten Streiks in Deutschland aber Mitte Dezember 2018 verorten. Auffällig sind vier Sachen hinsichtlich der Entstehung der „Fridays for Future“-Bewegung:
1. „Fridays for Future“ ist, seit längerer Zeit wieder, ein Massenprotest, welcher flächendeckend an vielen Orten stattfindet und sich nicht nur auf zentrale Großdemonstrationen beschränkt. Für viele Jugendliche war es das erste Mal, dass sie an einer Demo teilnahmen und sich in einer politischen Bewegung engagierten. Teilweise waren hunderttausende junge Menschen auf der Straße. Viele wurden hierdurch erst politisiert.
2. In zahlreichen Städten waren von Anfang an NGOs (Non Goverment Organisations), wie die BUND Jugend oder Greenpeace, in den Strukturen aktiv und organisierten die ersten Streiks. Durch ihre meist größere Erfahrung wurden sie oft elementarer Bestandteil der Ortsgruppen, mit großem Einfluss.
3. Neben den NGOs prägten vor allem Einzelpersonen den Start und die Initiative für die Bewegung. Mobilisiert wurde überwiegend über Messengergruppen wie WhatsApp, welche rasch anwuchsen.
4. Im Gegensatz zu den meisten sozialen Bewegungen lässt sich die „Fridays for Future“-Bewegung nicht auf einen konkreten Auslöser zurückführen. Schaut man sich beispielsweise die Gelbwesten-Proteste in Frankreich an, so war der Auslöser ganz klar, die Einführung einer neuen Benzinsteuer. Anstoß lieferte im Falle von FFF, die Schwedin Greta Thunberg, welche mit ihren Schulstreiks im Sommer 2018 begann. Dies war noch eine ganze Weile vor den ersten Streiks in Deutschland.

Diese vier wichtigen Faktoren prägten die Bewegung maßgeblich in ihrer anfänglichen Phase und müssen allesamt berücksichtigt werden. Denn dadurch, dass „Fridays for Future“ keinen konkreten Auslöser hatte, war die Bewegung zu Beginn der Aufgabe gestellt, ihr Anliegen, „für mehr Klimaschutz zu streiken“, in praktische Forderungen umzuformulieren und diese zu verbreiten.

Dort, wo Ortsgruppentreffen stattfanden, stellten sich sehr schnell die unterschiedlichsten Motive und politischen Vorstellungen heraus, für die man sich einsetzen wollte. Uns fiel auf, dass sich vor allem Studierende und Gymnasiumsschüler*innen an den Treffen beteiligten, bei denen wir vertreten waren. Viele kleinbürgerliche Ideologien und Konzepte von Konsumkritik herrschten dabei, in den meisten Gruppen, vor. Da die Vorstellung über die Ziele und die Forderungen der Bewegung in vielen Orten stark auseinandergingen, war der einzige gemeinsame Nenner, für mehr Klimaschutz einzutreten.

Der zweite und dritte Faktor spielte eine nicht unerhebliche Rolle, wenn es darum geht, herauszufinden, warum die deutsche Linke sich so schwertat, auf breiter Ebene in den Protest der Schüler*innen, zu intervenieren und die Bewegung antikapitalistisch zu beeinflussen. Fakt ist nämlich, dass dies selten der Fall war. Linke Positionierungen der Bewegung blieben regional isolierte Phänomene, wie z.B. „Fridays for Future“ im Rhein-Sieg-Kreis. Hier rief die OG zum 1. Mai auf mit der Parole „Wir sind die Arbeiter*innen von morgen“.

Die oft dominierenden NGOs sorgten häufig dafür, dass nur wenig politisch diskutiert wurde. In Mainz gab es sogar den Vorschlag, die Bewegung so breit aufzustellen, dass auch FDP-Wähler*innen, welche sich gegen den Klimawandel einsetzen wollen, an ihr beteiligen können. Debatten und Forderungen nach der Enteignung und Verstaatlichung von Energiekonzernen wurden dabei eher unterbunden. In Hamburg fanden dazu nicht einmal Plena statt, auf denen die Schüler*innen über ihre Forderungen hätten diskutieren können.

Andererseits muss natürlich die Schwäche der deutschen Linken berücksichtigt werden. Die linksjugend [‘solid] auf Bundesebene veröffentlichte beispielsweise nur einen Flyer auf ihrer Webseite, in welchem das Problem des Klimawandels zwar benannt und mit dem Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde, aber konkrete politische Forderungen zur Überwindung von beidem, vermissen ließ.

Beim Organisieren vor Ort und der bundesweiten Struktur kam es leider zu einigen Fehlern. Es gab zwar Delegierte aus den Orten, welche in bundesweiten Gruppen aus ihren Städten berichteten, doch diese wurden nicht immer demokratisch gewählt oder waren einfach die Ersten, welche sich vor Ort mit dem Thema befassten. Gerade in diesen Positionen fanden sich dann häufig Vertreter*innen von BUND und Greenpeace, welche sich durch ihre bisherigen Erfahrungen für diese Positionen profilierten. Dabei war auch nicht immer transparent, wer zu welcher Gruppe und Organisation gehörte. Auch bei Pressekontakten war nicht immer nachvollziehbar, wer als offizielle*r Vertreter*in von FFF anzusehen ist, zumal auch noch keine Forderungen bestanden und somit die unterschiedlichsten Äußerungen getätigt wurden.
So wurde zwar auch immer wieder der Kapitalismus kritisiert und Konzerne angegriffen, aber es dominierten konsumkritische Reden, welche lediglich dazu aufriefen, dass wir alle weniger fliegen und unseren Fleischkonsum reduzieren sollten. Von einer Systemkritik waren diese Äußerungen oft weit entfernt.
Diese Entwicklung stoppte auch nicht vor den Strukturen vor Ort. So beschloss die OG Mainz etwa im Mai, jeder Person das Rederecht zu verweigern, die sich nicht zur „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ bekennt.

Einbeziehung der Gewerkschaften und der organisierten Arbeiter*innenklasse

Eine weitere Besonderheit von FFF ist die Verwendung des Streiks. Dieser ist das traditionelle Kampfmittel der Arbeiter*innenbewegung. Doch durch den objektiven Bewusstseinsstand wurden die Gewerkschaften und die organisierte Arbeiter*innenklasse nicht in den Fokus der Mobilisierung miteinbezogen. Dazu trug auch eine generelle Einschätzung der Bewegung bei, dass der Klimawandel ein Problem sei, welches auf der Ignoranz der gesamten älteren Generation beruht. Die Kritik richtet sich also primär gegen alle Erwachsenen und nicht an die herrschende Klasse, welche die Umweltzerstörung zu verantworten hat.
Dabei würde gerade mit den Gewerkschaften, die Bewegung eine ganz andere Qualität bekommen. Was wäre, wenn beispielsweise nicht nur Schüler*innen am Freitag streiken würden, sondern auch die Kohlebaggerfahrer*innen von RWE? Mit der Einbeziehung der Gewerkschaften wäre der Druck um einen nicht unerheblichen Faktor erhöht worden. Denn es ist gerade der ökonomische Streik, welcher die herrschende Klasse in Bedrängnis bringt. Ein positives Beispiel war die GEW, die schon sehr früh ihre Mitglieder aufrief, die Bewegung zu unterstützen und ihre Schüler*innen nicht zu sanktionieren.

Natürlich ist aber auch die Schwäche der gesamten deutschen Gewerkschaftsführung zu berücksichtigen. Seit Jahrzehnten ist die Führungsebene des DGBs fest in der Hand von bürokratischen Karrierist*innen, die jegliche Konfrontation scheuen. Daher wäre es nötig gewesen, die Basis der Gewerkschaften zu erreichen und mit den einfachen Gewerkschaftsmitgliedern ins Gespräch zu kommen. Dafür fehlte aber das nötige Bewusstsein innerhalb der Führung.

Mittlerweile haben sich vor allem aus den Jugendgewerkschaften viele positiv auf die Bewegung bezogen. Die Mitglieder wurden dennoch weder zum Streik aufgerufen, noch fanden Betriebsversammlungen oder Pausenaktionen statt, in denen sich die Arbeiter*innen über die Auswirkungen des Klimawandels auf ihren spezifischen Arbeitsplatz hätten austauschen können.

Wiederum positiv zu benennen ist, dass es mittlerweile auch Gruppen wie „Parents for Future“ und „Scientists for Future“ gibt, welche ebenfalls zu Klimaprotesten aufrufen und klarstellen, dass dieses Anliegen nicht allein der jüngeren Generation wichtig ist. Die Aufrufe beziehen daher auch stärker die breitere Bevölkerung mit ein.

Aufbau von demokratischen und transparenten Strukturen

Wie schon zu Anfang erläutert, gibt es große Defizite beim Aufbau demokratischer Strukturen. Vielerorts wurde der Aufbau von basisdemokratischen Strukturen aktiv verhindert oder Beschlüsse der Basis ignoriert oder revidiert. Dies geschah mit dem Vorwand, doch möglichst alle Menschen zu den Protesten zu bewegen und nicht abschreckend zu wirken. Die politische Schärfe und die Notwendigkeit der Kritik fielen so weg.

Um die anfänglichen Streiks zu koordinieren, wurden vielerorts bald sogenannte Orgateams gegründet, welche aber aufgrund ihrer Unerfahrenheit schnell begangen, sich von der Basis abzuheben. So war die Arbeit des Orgateams beispielsweise in Mainz schnell schwer nachvollziehbar und die Basis wurde nur kurzfristig über Entscheidungen des Orgateams informiert. Dies war z.B. der Fall, als die örtliche Whatsapp-Gruppe lediglich am selben Tag darüber informiert wurde, dass sich das Orgateam mit Malu Dreyer zum Gespräch treffen würde. Generell wurde es nicht geschafft, eine große Beteiligung auf den Ortsgruppentreffen zu erzielen und die vielen hundert Schüler*innen, die sich an den Demos beteiligt haben, miteinzubinden. So war auch die Entstehung der bundesweiten Forderungen mehr als undurchsichtig und für kaum ein Basismitglied wirklich nachvollziehbar. Die Beteiligung nahm zudem tendenziell weiter ab.

Für eine ausdauernde und kämpferische Bewegung ist es aber absolut notwendig, demokratische Strukturen aufzubauen und die Mitglieder in die Arbeit sowie die Entscheidungen miteinzubeziehen. Es braucht in allen Orten und an Schulen Treffen, bei denen diskutiert und geplant wird. Die Delegierten müssen demokratisch gewählt und jederzeit abwählbar sein, sowie über ihre Arbeit berichten. Forderungen müssen von der Basis an die Spitze getragen werden und nicht umgekehrt.

Forderungen und Erfolge

Die Forderungen, die „Fridays for Future“ schließlich aufstellte, waren mehr als ernüchternd. Dies lag aber wesentlich auch mit deren Entstehung zusammen. Ohne irgendeinen basisdemokratischen Beschluss oder Legitimation, wurden folgende Forderungen auf einer groß aufgezogenen Pressekonferenz vorgestellt:

„Forderungen von Fridays for Future:

• Nettonull 2035 erreichen
• Kohleausstieg bis 2030
• 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035
Entscheidend für die Einhaltung des 1,5°C-Ziels ist, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich stark zu reduzieren. Deshalb fordern wir bis Ende 2019:
• Das Ende der Subventionen für fossile Energieträger
• 1/4 der Kohlekraft abschalten
• Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen. Laut UBA sind das 180€ pro Tonne CO2“Da die Forderungen wenig Konkretheit enthalten und an politischer Schärfe vermissen lassen, bauten sie keinen Druck auf die herrschende Politik auf. Selbst Angela Merkel konnte sich positiv auf die Bewegung beziehen, ohne dass dies einen Widerspruch darstellte. Schnell bekam man Lob von allen Seiten. So wird es auch keine Zugeständnisse hin zu einem früheren Kohleausstieg geben.
Relevant ist natürlich weiterhin, dass die Themen Klimawandel, Artensterben und Umweltzerstörung deutlich mehr in der Öffentlichkeit debattiert werden. Außerdem ist die Politisierung unter Jugendlichen gerade groß und eine Unzufriedenheit mit der Politik von CDU und SPD weit verbreitet.

Parteiunabhängigkeit

Von Anfang an verstand sich die Bewegung als parteiunabhängig. Dies wurde aber meist so interpretiert, dass Parteien und deren Jugendorganisationen gar nicht als diese erkennbar in der Bewegung teilnehmen sollten. In einigen Orten wurden Fahnen von Parteien und deren Jugendorganisationen, sowie das Verteilen von Flyern verboten. Gleichzeitig saßen verschiedene Vertreter*innen von Parteijugenden und NGOs in führenden Positionen ohne dies vorher konkret zu äußern. Wir haben uns als linksjugend [‘solid] RLP immer klar zu unserer Organisation bekannt und andere aufgefordert, dies ebenfalls transparent zu machen. Eine überparteiliche Bewegung sollte natürlich verschiedene Parteien und Organisationen in sich tragen können und über deren Forderungen und Positionen diskutieren.

Am 24. Mai fand einer der bundesweiten Aktionstage statt, welcher unter dem Vorzeichen der Kommunal- und Europawahl stand. „Fridays for Future“ rief dazu auf, diese Wahlen zur „Klimawahl“ zu machen. Da die Forderungen der Bewegung immer noch zu unkonkret waren, konnten vor allem die Grünen von dieser Stimmung profitieren. Die Grünen selbst behaupteten, dass diese Wahl ein „Sunday for Future“ war und vereinnahmten so die Bewegung für sich.

Aussichten

Da die Forderungen der Bewegung immer noch antikapitalistische Ansätze ver-missen lassen, entgeht ihr weiteres Potential und ist früher oder später dem Unter-gang geweiht. Das heißt nicht, dass „Fridays for Future“ zwangsläufig im Sande verlaufen wird. Gerade durch größere politische Unruhen könnte die Bewegung wieder Fahrt aufnehmen, aber mit dem momentanen Kurs würde auch dies nur eine kurzzeitig verlängerte Lebensdauer bedeuten.

Gerade der 21. Juni, welcher eine Verbindung zwischen dem Kampf um den Erhalt des Hambacher Forsts und der „Fridays for Future“-Bewegung bildet, wird voraussichtlich noch einen Höhepunkt darstellen, wozu wir mobilisieren und uns in die Debatte einbringen werden. Außerdem soll es im September einen weltweiten Aktionstag geben, welcher als „Generalstreik“ beworben wird. Auch dies begrüßen wir und wir setzen uns weiter dafür ein, sozialistische Positionen in die FFF- und die gesamte Umweltbewegung einzubringen, als auch für den Aufbau demokratischer Strukturen und Selbstorganisation von Schüler*innen, Azubis und Arbeiter*innen zu diskutieren und argumentieren. Nur mit einer demokratischen Struktur und einem klaren Programm, welches die herrschenden Besitz- und Machtverhältnisse kritisiert, können wir den Kampf für das Klima gewinnen.

Da die Forderungen der Bewegung immer noch antikapitalistische Ansätze ver-missen lassen, entgeht ihr weiteres Potential und ist früher oder später dem Unter-gang geweiht. Das heißt nicht, dass „Fridays for Future“ zwangsläufig im Sande verlaufen wird. Gerade durch größere politische Unruhen könnte die Bewegung wieder Fahrt aufnehmen, aber mit dem momentanen Kurs würde auch dies nur eine kurzzeitig verlängerte Lebensdauer bedeuten. Gerade der 21. Juni, welcher eine Verbindung zwischen dem Kampf um den Erhalt des Hambacher Forsts und der „Fridays for Future“-Bewegung bildet, wird voraussichtlich noch einen Höhepunkt darstellen, wozu wir mobilisieren und uns in die Debatte einbringen werden. Außerdem soll es im September einen weltweiten Aktionstag geben, welcher als „Generalstreik“ beworben wird. Auch dies begrüßen wir und wir setzen uns weiter dafür ein, sozialistische Positionen in die FFF- und die gesamte Umweltbewegung einzubringen, als auch für den Aufbau demokratischer Strukturen und Selbstorganisation von Schüler*innen, Azubis und Arbeiter*innen zu diskutieren und argumentieren. Nur mit einer demokratischen Struktur und einem klaren Programm, welches die herrschenden Besitz- und Machtverhältnisse kritisiert, können wir den Kampf für das Klima gewinnen.

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